Gold im Pfandhaus: So wird der Wert berechnet
Redaktion GoldGramm · 11. Oktober 2026 · ca. 5 Min. Lesezeit
Wer kurzfristig Geld braucht, aber sein Gold nicht endgültig hergeben will, kann es im Pfandhaus beleihen. Das geht schnell, ohne Schufa-Auskunft und ohne Einkommensnachweis. Wie viel Geld Sie bekommen und was der Kredit kostet, ist allerdings vielen unklar. Dieser Ratgeber erklärt die Rechnung.
So funktioniert ein Pfandkredit
Sie geben Ihr Gold als Pfand ab und erhalten sofort einen Kredit in bar oder per Überweisung. Die übliche Laufzeit beträgt drei Monate und kann meist verlängert werden. Zahlen Sie Kredit, Zinsen und Gebühren fristgerecht zurück, bekommen Sie Ihr Pfand zurück. Zahlen Sie nicht, wird das Gold nach Ablauf einer Schonfrist öffentlich versteigert.
Der große Vorteil: Sie haften nur mit dem Pfand. Reicht der Versteigerungserlös nicht aus, müssen Sie nichts nachzahlen. Übersteigt er die Schuld, steht Ihnen der Überschuss zu – er wird bei der Stadt- oder Gemeindekasse hinterlegt, wenn Sie ihn nicht abholen.
Wie das Pfandhaus den Wert ermittelt
Das Pfandhaus prüft Feingehalt und Gewicht genauso wie ein Ankäufer. Ausgangspunkt ist der Materialwert: Gewicht × Feingehalt ÷ 1000 × aktueller Goldpreis pro Gramm. Für Markenschmuck oder Uhren kann zusätzlich ein Wiederverkaufswert angesetzt werden, viele Häuser bewerten Schmuck aber vorsichtig nur nach Material.
Auf diesen Wert gewährt das Pfandhaus einen Kredit, der meist deutlich darunter liegt. Die Beleihungsquote ist nicht gesetzlich festgelegt und schwankt je nach Haus und Marktlage, oft grob zwischen 60 und 80 Prozent des Materialwerts. Der Abschlag schützt das Pfandhaus gegen fallende Goldpreise während der Laufzeit.
Was ein Pfandkredit kostet
Zinsen und Gebühren sind in Deutschland durch die Pfandleiherverordnung geregelt. Der Zins beträgt höchstens 1 Prozent pro Monat. Hinzu kommen Gebühren für Prüfung, Versicherung und Verwahrung, die für kleinere Darlehen nach einer Staffel festgelegt sind und vor allem bei kleinen Beträgen stark ins Gewicht fallen.
In der Summe ergeben sich effektive Jahreskosten, die je nach Darlehenshöhe oft über 20 Prozent liegen, bei Kleinstbeträgen auch deutlich höher. Für eine Überbrückung von wenigen Wochen kann das akzeptabel sein, als Dauerlösung ist ein Pfandkredit teuer.
Rechenbeispiel
Angenommen, Sie verpfänden eine 750er Kette mit 30 Gramm. Sie enthält 22,5 Gramm Feingold. Bei einem Materialwert von beispielsweise 2.000 € und einer Beleihungsquote von 70 Prozent erhalten Sie 1.400 €. Nach drei Monaten zahlen Sie 1.400 € zurück zuzüglich 3 Prozent Zinsen (42 €) und Gebühren. Den aktuellen Materialwert Ihrer Stücke berechnen Sie mit unserem Altgold Rechner.
Hätten Sie die Kette direkt verkauft, wären bei einem seriösen Ankäufer vielleicht 1.800 bis 1.900 € geflossen – allerdings wäre sie dann endgültig weg.
Verkaufen oder verpfänden?
Verpfänden lohnt sich, wenn Sie das Stück behalten möchten, sicher sind, das Geld in wenigen Monaten zurückzahlen zu können, und der Betrag nicht zu klein ist. Für Erbstücke mit emotionalem Wert ist der Pfandkredit oft die bessere Wahl als ein endgültiger Verkauf.
Verkaufen ist sinnvoller, wenn Sie das Gold ohnehin nicht mehr brauchen. Dann sparen Sie Zinsen und Gebühren und erhalten in der Regel einen höheren Betrag. Viele Pfandhäuser bieten auch einen direkten Ankauf an; vergleichen Sie diesen aber unbedingt mit spezialisierten Edelmetallhändlern.
Was bei der Versteigerung passiert
Wird ein Pfand nicht ausgelöst, darf das Pfandhaus es frühestens einen Monat nach Fälligkeit versteigern. Die Versteigerung ist öffentlich und wird vorher bekannt gemacht. Bei Gold liegt der Zuschlag meist nahe am Materialwert, weil Händler mitbieten. Der Überschuss nach Abzug von Kredit, Zinsen und Kosten gehört Ihnen und kann innerhalb von zwei Jahren abgeholt werden.
Tipps für den Besuch im Pfandhaus
Bringen Sie einen gültigen Ausweis mit; ohne Identifikation darf kein Pfandkredit vergeben werden. Kennen Sie vorher den Materialwert Ihres Goldes, damit Sie die Beleihungsquote einordnen können. Fragen Sie nach allen Kosten bis zur Rückzahlung und lassen Sie sich den Pfandschein genau erklären. Bewahren Sie ihn sorgfältig auf: Wer den Pfandschein vorlegt, kann das Pfand auslösen.
Pfandhaus, Bank oder Kredit: die Alternativen
Ein Pfandkredit ist schnell und unbürokratisch, aber selten die günstigste Finanzierung. Ein Dispositionskredit kostet zwar oft ebenfalls zweistellige Zinsen, verlangt aber keine Sicherheit. Ein Ratenkredit ist bei guter Bonität deutlich günstiger, dauert aber länger und erfordert eine Schufa-Prüfung.
Der Pfandkredit spielt seine Stärken aus, wenn die Bonität schwach ist, es sehr schnell gehen muss oder Sie keinen Kredit in der Schufa stehen haben möchten. Rechnen Sie aber immer die Gesamtkosten bis zur Rückzahlung durch.
Uhren und Markenschmuck im Pfandhaus
Viele Pfandhäuser beleihen auch Luxusuhren und Markenschmuck. Hier wird nicht nur der Goldwert, sondern der erzielbare Wiederverkaufswert angesetzt. Bei einer gefragten Uhr kann der Kredit dadurch deutlich über dem reinen Materialwert liegen. Bringen Sie Box, Papiere und Kaufbeleg mit – das erhöht die Bewertung spürbar.
Rechte und Pflichten im Überblick
Pfandhäuser in Deutschland benötigen eine behördliche Erlaubnis nach der Gewerbeordnung und unterliegen der Pfandleiherverordnung. Sie müssen das Pfand gegen Feuer, Wasser, Einbruch und Diebstahl versichern, und zwar mindestens zum doppelten Darlehensbetrag. Sie dürfen das Pfand nicht nutzen oder weiterverleihen und müssen es bei Rückzahlung unverändert herausgeben.
Sie selbst können den Kredit jederzeit vorzeitig zurückzahlen; berechnet werden dann nur die Zinsen bis zum laufenden Monat. Eine Verlängerung ist meist möglich, wenn Sie die bis dahin angefallenen Zinsen und Gebühren begleichen.
Unser Fazit
Ein Pfandkredit ist eine faire und sichere Lösung für kurzfristige Engpässe, wenn Sie Ihr Gold behalten möchten. Für dauerhaften Geldbedarf ist er zu teuer. Kennen Sie den Materialwert Ihrer Stücke, vergleichen Sie Beleihungsquote und Gesamtkosten mehrerer Häuser und prüfen Sie ehrlich, ob ein Verkauf nicht die bessere Wahl wäre. Den aktuellen Materialwert berechnen Sie mit dem Altgold Rechner auf dieser Website.
Häufige Fragen
- Wie viel gibt das Pfandhaus für Gold?
- Meist einen Kredit von grob 60 bis 80 Prozent des Materialwerts; die Quote legt jedes Haus selbst fest.
- Wie hoch sind die Zinsen im Pfandhaus?
- Nach der Pfandleiherverordnung höchstens 1 Prozent pro Monat, zuzüglich gesetzlich geregelter Gebühren.
- Was passiert, wenn ich das Pfand nicht auslöse?
- Es wird öffentlich versteigert. Einen eventuellen Überschuss bekommen Sie ausgezahlt, eine Nachzahlung gibt es nicht.
- Wird beim Pfandkredit die Schufa abgefragt?
- Nein. Das Pfand dient als einzige Sicherheit.
- Wie lange läuft ein Pfandkredit?
- In der Regel drei Monate. Danach kann er meist verlängert werden, wenn die bis dahin angefallenen Zinsen und Gebühren bezahlt werden.
- Ist Verkaufen günstiger als Verpfänden?
- Wenn Sie das Gold nicht zurückhaben möchten, ja: Sie sparen Zinsen und Gebühren und erhalten meist mehr Geld.